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Vietnam mit dem Motorrad: Der legendäre Ho-Chi-Minh-Pfad

Motorradfahrer auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad in Vietnam, mit Blick auf eine szenische Landschaft aus Bergen und endloser Straße unter leicht bewölktem Himmel.© Alexander_Magnum, Shutterstock · Nah dran: Unvergessliche Reise durch Vietnams Landschaften

Der Ho-Chi-Minh-Pfad – einst ein geheimes Versorgungsnetz im Vietnamkrieg – zählt heute zu den eindrucksvollsten Motorradstrecken Südostasiens. Wer sich mit dem Motorrad auf die legendäre Route begibt, erlebt nicht nur spektakuläre Landschaften, sondern taucht vor allem tief in Vietnams Geschichte ein. Die moderne Straße folgt oft dem Verlauf des ursprünglichen Pfades, der sich über tausende Kilometer von Nord- nach Südvietnam zog. Entlang der Route begegnen Reisende atemberaubender Natur, bewegenden Gedenkstätten und faszinierenden Einblicken in die Kultur des Landes.

Digital-Redaktion, vom 01.10.2025

Der Ho-Chi-Minh-Pfad: Vom Versorgungsnetz zur Legende

Der sogenannte Ho-Chi-Minh-Pfad war während des Vietnamkriegs ein weitverzweigtes System von Wegen, Straßen und Depots, das Nordvietnam mit dem Süden verband – dabei ging es auch durch das bergige Terrain von Laos und Kambodscha. Das Netzwerk entstand ab 1959 und wuchs bis auf über 16.000 Kilometer an. Trotz massiver US-Bombardierungen blieb der Pfad über Jahre hinweg betriebsfähig und war entscheidend für den nordvietnamesischen Sieg.

Heute verläuft die moderne „Ho Chi Minh Road“ (QL14) streckenweise auf den Spuren des historischen Weges – und bietet Reisenden eine seltene Kombination aus Geschichte, Natur und Abenteuer. Für viele ist die Motorradtour ein Lebenstraum. Reisterrassen in der Provinz Phú Lương, Vietnam, mit Landwirten, die junge Reissetzlinge pflanzen, umgeben von Berglandschaften und Nebelschwaden.© Hoang Dong, Shutterstock

Mit dem Motorrad auf dem historischen Trail

Für Motorradreisende und Abenteurer jedweder Couleur ist der Ho-Chi-Minh-Pfad ein echter Geheimtipp: Er kombiniert aufregende Straßenführung, landschaftliche Vielfalt und historische Eindrücke wie kaum eine andere Route in Südostasien. Die Fahrt führt durch Dschungel, Karstgebirge, Reisfelder, Pässe und traditionelle Dörfer – und bietet ein authentisches Reiseerlebnis abseits der Touristenhotspots.

Ein besonderer Benefit: Kulturreisende kommen ebenso auf ihre Kosten wie Naturliebhaber. Ehemalige Schlachtfelder, Kriegsrelikte und Gedenkstätten säumen die Strecke und gleichzeitig öffnet sich die Tür zu abgelegenen Regionen mit ethnischer Vielfalt und herzlicher Gastfreundschaft - es ist stellenweise tief berührend. Kleiner Straßenimbiss in Vietnam mit Verkaufsständen voller Snacks, Getränken und frischen Kokosnüssen, überdacht von Planen und bunten Sonnenschutzdächern.© BAC GIANG, Shutterstock

Geführte Easy-Rider-Tour oder Abenteuer auf eigene Faust?

Hat man sich für einen Motorradtrip entschieden, steht man vor einer zentralen Entscheidung: Geführte Tour mit einem Easy Rider oder selbstorganisierte Reise?

Geführte Touren bieten dabei Sicherheit, lokale Expertise, kulturelle Einblicke und Stressfreiheit – perfekt für Einsteiger oder alle, die sich ganz auf das Erlebnis konzentrieren möchten. Der Fahrer übernimmt Navigation, Planung und Wartung. Der Preis liegt bei ca. 70–150 EUR pro Tag (inkl. sind generell Motorrad, Guide und Regenmantel - Unterkünfte, Eintritte und Mahlzeiten sind meist extra zu verrichten).

Selbstfahrer genießen maximale Flexibilität und sparen Geld, tragen aber auch die volle Verantwortung für Navigation, Reparaturen und Organisation. Der Motorradverleih ist günstig (ab ca. 8 EUR pro Tag), die Gesamt­kosten liegen Stand 2025 bei 30–60 EUR pro Tag. Diese Variante erfordert Fahrpraxis, Grundkenntnisse im Schrauben und ein Gespür für vietnamesischen Verkehr – kann leicht chaotisch sein, läuft aber meist flüssig. Straßenszene in Nha Trang, Vietnam, mit Marktständen, Fischerbooten und motorisierten Fahrzeugen, umgeben von tropischer Kulisse und Bergen im Hintergrund.© Slebedeva, Shutterstock

Streckenüberblick: Nord nach Süd in drei Abschnitten

Die Ho-Chi-Minh-Route lässt sich grob in drei Abschnitte gliedern:

Nordvietnam

Startpunkte wie Hanoi, Mai Chau oder Ninh Binh bieten landschaftlich reizvolle Einführungen. Besonders lohnenswert ist der Phong Nha-Kẻ-Bàng-Nationalpark mit seinen Höhlenwundern. Wer früh startet, genießt hier leere Straßen und frische Bergluft.

Zentralvietnam

Dieser Abschnitt ist das Herzstück – mit Highlights wie der Western Ho Chi Minh Road zwischen Khe Sanh und Phong Nha. Spektakuläre Bergpässe, dichte Wälder und kaum Verkehr machen ihn zu einer wahren Traumstrecke. Weitere Höhepunkte: sind Khe Sanh (ehemalige US-Basis), Kon Tum (Kultur der Bahnar-Minderheit) und der mächtige Hai-Van-Pass (wirklich ein Abstecher wert!).

Südvietnam

Die Route führt über Buon Ma Thuot bis in die Nähe von Ho-Chi-Minh-Stadt. Kaffeeplantagen, Kolonialarchitektur in Da Lat und Küstenpanoramen bei Mui Ne runden die Reise perfekt ab. Fischerboote am Strand von Mũi Né in Vietnam, umgeben von türkisfarbenem Wasser, sanften Wellen und Palmen im Hintergrund unter blauem Himmel.© saiko3p, Shutterstock

Tipps für eine sichere und gelungene Motorradreise

Eine Fahrt auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad ist nach wie vor ein Abenteuer – und kein Spaziergang. Diese Tipps helfen bei der Planung:

Straßen & Verkehr

Die Straßenqualität variiert: asphaltierte Abschnitte wechseln sich mit unbefestigten Pisten ab. Es gilt auf Schlaglöcher, Tiere und spontane Überholmanöver zu achten. Hupen gilt dabei als Kommunikationsmittel, nicht als Aggression - grundsätzlich sollte man immer defensiv fahren.

Tankstellen

In abgelegenen Bereichen – z. B. zwischen Khe Sanh und Phong Nha – sind Tankstellen selten, sonst ist das Netz gut ausgebaut . Trotzdem ist es ratsam bei Gelegenheit immer volltanken und ggf. Benzinreserven in Flaschen mitzuführen.

Ausrüstung

Helm ist Pflicht – idealerweise nutzt man einen Integralhelm. Regenkleidung, feste Schuhe, Handschuhe, Schutzkleidung (Knie/Schulter) und ein kleines Erste-Hilfe-Set sind ebenso essenziell. Der Kauf einer lokalen SIM-Karte sorgt für ausreichend Netzabdeckung und Navigation. Trotzdem sind Apps wie Maps.me oder Google Maps offline empfohlen.

Führerschein & Versicherung

Prinzipiell ja, obwohl im Land selbst kaum jemand kontrolliert. Wir empfehlen nicht ohne zu fahren. Ein internationaler Führerschein in Kombination mit einem deutschen ist vollkommen ausreichend. Ohne gültige Papiere entfällt der Deutsche Versicherungsschutz im Schadensfall. Wichtig: Reisekrankenversicherung klären.

Unterkünfte

Gute Mischung aus Homestays, einfachen Hotels und Guesthouses entlang der Strecke. Die Preise variieren, sind aber wie in Südostasien verbreitet, günstig. Spontane Buchung sind hier meist möglich – in der Hochsaison empfiehlt sich trotzdem eine Vorabplanung. Aussichtspunkt in Đà Lạt, Vietnam, mit hölzernen Terrassenplattformen über einem Wolkenmeer, umgeben von grünen Hügeln und blühenden Gärten.© Huy Thoai, Shutterstock

5 Highlights entlang des Trails

Diese fünf Orte sind empfehlenswert:

  1. Phong Nha-Kẻ-Bàng-Nationalpark
    UNESCO-Welterbe mit spektakulären Höhlen (u. a. Paradise Cave & Son Doong), hier sind sowohl Bootstouren, als auch Wanderungen möglich.

  2. Khe Sanh Combat Base
    Die ehemalige US-Basis nahe der DMZ ist heute ein Museum mit Exponaten aus der berühmten Schlacht von 1968.

  3. Hai Van Pass
    Der Panoramapass zwischen Huế und Da Nang bietet spektakuläre Ausblicke auf Berge und Küste. Ein erinnerungswürdiges Erlebnis - nicht nur für Motorradfans.

  4. Kon Tum & Umgebung
    Ethnische Vielfalt, traditionelle Dörfer, Kaffeeplantagen und die berühmte Holzkirche. Die Provinz ist definitiv ein kulturelles Highlight im zentralen Hochland.

  5. Vinh Moc Tunnel
    Das eindrucksvolle Tunnelsystem, in dem Zivilisten während des Kriegs unterirdisch lebten, ist heute eine begehbare Gedenkstätte. Ein berührendes Erlebnis! Verrostete Bombenüberreste im Khe Sanh Combat Base Museum in Quảng Trị, Vietnam, als Mahnmal für die Geschichte des Vietnamkriegs.© Nguyen Quang Ngoc Tonkin, Shutterstock

Fazit: Eine Reise durch Landschaft, Kultur und Geschichte

Der Ho-Chi-Minh-Trail ist eine Möglichkeit, Vietnams Kultur, Menschen und Natur auf ganz besondere Weise zu erleben. Zwischen dem aktuellen Leben taucht man immer wieder in die schreckliche und Bewegende Vergangenheit ein - man lernt viel, sieht viel und staunt noch mehr. Wer sich auf das Abenteuer einlässt – ob geführt mit Easy Rider oder auf eigene Faust – wird nicht nur mit grandiosen Ausblicken, sondern mit tieferem Verständnis für das Land belohnt.

Tipp: Umfassende Informationen zu Kultur, Geschichte und Reiserouten in Vietnam hat unser Autor Martin H. Petrich im DUMONT Reisehandbuch Vietnam zusammengefasst.

MH

Martin H. Petrich

unterwegs in Sri Lanka und Vietnam

Der am Bodensee geborene Wahlberliner Martin H. Petrich ist passionierter Reisejournalist und Studienreiseleiter. Nach seinem Theologiestudium in München und Pune (Indien) hat er sich auf Asien spezialisiert und dort mehrere Jahre, u.a. in Yangon und Bangkok, gelebt. Ob auf Sri Lanka, in Thailand, Myanmar oder Vietnam – immer wieder faszinieren ihn die tiefe Religiosität und die Freundlichkeit der Menschen. Martin H. Petrich versteht sich als kultureller Brückenbauer und ist ständig unterwegs, um die neuesten Trends und Entwicklungen in seinen Herzensländern hautnah mitzuerleben.

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